Normales Segeln – was ist das??

von Ralf Kock am 09.05.2019 / in Allgemein
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Mittwochmorgen gegen sieben Uhr.

Vor einer dreiviertel Stunde sind wir von Helgoland ausgelaufen, der Wind weht mit gemütlichen 10-15 Knoten aus südlicher Richtung und ich sage zu Roy so etwas wie: „So’n ganz normaler und gemütlicher Segeltag ist doch auch mal ganz schön…“

Neun Stunden später sind wir nördlich von Juist in der Nähe des VTG Terschelling – German Bight mit Trouble Shooting beschäftigt.

Bruch des Großbaums!

Was war geschehen?

Der Wind hatte planmäßig auf 20 – 25 Knoten aufgebrist, auf ENE gedreht und wir liefen mit guter Fahrt unter ausgebaumten Segeln auf Vorwindkurs die Küstenverkehrszone entlang des VTG. Ziel Borkum.

Das ging schon seit Stunden ohne Probleme so.

Der Großbaum war gegen Überkommen durch einen Bullenstander, der von der Baumnock über die vordere Klampe nach achtern auf die Schotwinsch geführt war, tight gesichert. Da brennt nix an. Dachte ich…

Bis gegen 16 Uhr zufällig eine Böe von vielleicht 25-28 Knoten mit einer Gruppe höherer Seen zusammenfiel und HavLys anfing, heftig zu gieren. Dabei schlug das Groß back.

Eigentlich kein Drama – dafür ist ja schließlich der Bullenstander da. Doch diesmal gab es einen Knack und der Baum schoss mit gebrochenem Rückgrat nach Lee.

What the f…??? Shit!!!

Wir holten jedenfalls das Groß schnellstmöglich runter, danach erstmal Spibaum von der gerefften Genua genommen und auf raumen Kurs weitergesegelt. Dann Groß unter Deck und den zerstörten Baum gesichert.

Der Rest der Reise nach Borkum verlief unspektakulär, wenn man von einem leicht genervten Skipper einmal absieht.

Inzwischen glaube ich an einen Ermüdungsbruch, denn so eine Situation muss ein Baum einfach aushalten, ohne einzuknicken. Damit kann man dieses Vorkommnis zu diesem Zeitpunkt in vergleichsweise moderaten Bedingungen auch als Glücksfall ansehen.

Jedenfalls besser hier als später auf dem Atlantik, vielleicht noch bei Starkwind…

Jetzt machen wir erstmal auf Borkum das beste aus der Situation, kommunizieren mit Versicherung und UKSails als Rigger meines Vertrauens, nehmen zig Maße für einen neuen Baum und hoffen, dass sie uns in Zusammenarbeit mit einem Bremer Mastenbauer schnell aus der Patsche helfen.

Irgendwie urig und authentisch hier, mit herbem Charme. Und immerhin scheint die Sonne… 😉

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